Philosophieren. Selbst denken. Miteinander reden.

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Zum Gedenken



Aus dem Marburger Forum:

Max Lorenzen erleidet plötzlichen Herztod

Am Sonntag, den 24. August brach er – nur 58jährig – im eigenen Haus in Lohra tot zusammen, nachdem er noch am Vortage in guter Stimmung und Verfassung dem Künstlerkreis Radehausen zum Jubiläum gratuliert und dessen Arbeit gewürdigt hatte. Die philosophische Deutung und Kommentierung zeitgenössischer Kunst – lokal und regional – war eine seiner bevorzugten Tätigkeiten, für die er von Seiten auch des Marburger Kunstvereins und des Hessischen Landestheaters zunehmend Anerkennung und Dank empfing.

Es ist dies bereits der zweite Todesfall, den die Marburger Vereinigung philoSOPHIA in diesem Jahr zu beklagen hat. Erst im Frühjahr war der Psychologe Helmut Welger nach langer Krankheit verstorben, mit dem gemeinsam Max Lorenzen 1997 diese Plattform für Philosophie ohne akademische Allüren und ohne universitäre Schranken gegründet hatte. Im Verbund mit der Literaturwissenschaftlerin Renate Scharffenberg wurde so in Marburg eine neue Gestalt der Bildungsarbeit geschaffen, die – offen für Menschen aus allen Kreisen – mit Einzelvorträgen und Lektürezirkeln ein breites Spektrum an Themen anbietet: stets orientiert an einem weiten Philosophiebegriff, das Ziel der Lebensnähe vor Augen, abhold jeder doktrinären Enge. Denken im Dialog in einer Atmosphäre der Toleranz und Offenheit ist der Wahlspruch von philoSOPHIA.

Max Lorenzen war dabei die Schlüsselgestalt. Bei ihm liefen die Fäden zusammen. Er war es auch, der schließlich den Aktionsradius weit über Marburg hinaus erweiterte, indem er die Internetzeitschrift „Marburger Forum“ gründete, sie redaktionell betreute und Autoren aus der ganzen Republik, ja auch aus dem Ausland gewann. Welche Fülle an Wissen und Weisheit ist dort inzwischen angesammelt!

Max Lorenzen, 1950 in einem Dorf in Schleswig Holstein geboren, studierte Philosophie in Hamburg, Lüneburg, Hannover, Paris und Marburg. Für seine Arbeit zum Metaphysikbegriff bei Kant fand er keinen Fachbereich, der sie als Dissertation annahm. Allerdings veröffentlichte der renommierte Verlag Felix Meiner das Werk als Einzelband. So schlug er sich lange Zeit als Privatgelehrter in ungesicherten materiellen Verhältnissen durch.

Mit der Gründung von philoSOPHIA wuchs er langsam über die Zurückgezogenheit seines bisherigen Lebenszuschnitts hinaus und gewann in seinen Leitungsfunktionen an Statur. Im Marburger Tectum Verlag veröffentlichte er 2001 sein Buch „Das Schwarze. Eine Theorie des Bösen in der Nachmoderne“. Dieser „philosophisch-literarische Essay“ fand leider kaum Resonanz. Mit seiner düster-pessimistischen Aussage, die bereits der Titel andeutet, steht er in einer gewissen Spannung zur praktischen Arbeit Lorenzens als erfolgreicher Philosophievermittler und Organisator von Bildungsprozessen. Sein jäher Tod hinterlässt verstört trauernde Familienangehörige und eine verwaiste Marburger Vereinigung, die vor der schwierigen Aufgabe einer Neuorientierung steht.

Joachim Kahl

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Carsten Passin
Vorstand philoSOPHIA e.V.

Es ist eine noch sehr lebendige Erinnerung an unsere Gespräche in den 90ern in Erfurt und Marburg, als Max und Helmut sich an uns wandten, um zu klären, wie ein gemeinnütziger Philosophieverein zu gründen und zu betreiben sei.

Gern haben wir Ihnen auch für Ihre Landesvereinigung Hessen unseren Vereinsnamen zur Verfügung gestellt.

Einige Jahre haben wir dann auch gemeinsame Seminare in Marburg, auf dem Dörnberg bei Kassel und in der Jugendbildungsstätte Hütten gemacht, an die sich einige von Euch sicher noch gern erinnern.

Leider lief die Geschichte beider Vereine unterschiedliche Wege hinsichtlich der Zielgruppen und Arbeitsweisen und trotz wiederholter gegenseitiger Versuche von Max und mir, wieder näher zusammen zu kommen zu gemeinsamen Projekten, hat sich dies leider nie realisieren lassen.

Wir wünschen dem philoSOPHIA Landesvereinigung Hessen e.V. gutes Gelingen bei der Neuorientierung nach diesem traurigen Einschnitt.

memento mori
 


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„Man behandelt nicht auf universelle Art, was Gott grundverschieden haben wollte.“Gustav Thibon